Testbericht Opel Ampera-e (von Matthias Münch)

Teresa Beerens, Mitarbeiterin des Autohauses Rüschkamp in Lüdinghausen, übergibt den Opel Ampera-e für die Testfahrten an Reporter Matthias Münch.

Lüdinghausen. Die Elektromobilität nimmt langsam Fahrt auf. Immer engmaschiger wird das Netz öffentlicher Ladestationen auch im Ruhrgebiet und im Münsterland. Die Zulassungen steigen. Von Jahresbeginn bis Mitte Juli 2017 hat sich die Zahl der reinen E-Fahrzeuge (ohne Hybrid) im Kreis Unna von 89 auf 176 verdoppelt. Im Kreis Coesfeld ist sie von 45 auf 105 geklettert. Dabei zählt ein Modell noch gar nicht mit, das dem E-Antrieb erst den eigentlichen Durchbruch auf den Straßen bringen soll: der Opel Ampera-e.

Der Ampera-e in voller Größe von vorne.

Diesen Anspruch macht Opel dem amerikanischen E-Pionier Tesla streitig, der mit seinem neuen Model 3 den Massenmarkt erobern will. Nur wird der „Volks-Tesla“ in Deutschland frühestens in zwei Jahren verkauft. Aber der Ampera-e ist schon da. Seit kurzem kann der Wagen bei den Filialen des Autohauses Rüschkamp in Lünen, Werne, Selm, Dortmund und Lüdinghausen Probe gefahren und als Leasingfahrzeug bestellt werden.

Da wollten wir nicht länger warten und nahmen das Elektroauto zwei Tage lang unter die Lupe. Unser zweiköpfiges Testteam bestand aus: 1. Manfred Kunz, KFZ-Meister und ehemaliger „Gelber Engel“ des ADAC.  2. Matthias Münch, Autor dieses Berichts. Wir beide  haben gemeinsam bereits alle anderen E-PKW getestet. Nun wollten wir die Alltagstauglichkeit des Ampera-e erkunden. Vor allem wollten wir herausfinden, ob er sein größtes Versprechen halten kann: eine Reichweite von über 400 Kilometer mit einer Batterieladung. Das können sonst nur die Tesla-Modelle, die allerdings zwei- bis dreimal so teuer wie der Opel sind.

Für unseren Test fuhren wir von Lüdinghausen über Selm, Lünen und Werne, von dort zum Rastplatz Rhynern Nord auf der A2 und dann von Hamm nach Münster. Dabei waren alle Streckentypen: Land- und Bundesstraßen, Autobahn und Stadtverkehr, Stau und freie Fahrt. Für die Strecke hätte eine Batterieladung völlig ausgereicht. Wir wollten aber auch die Ladeinfrastruktur unter die Lupe nehmen. Deshalb luden wir unterwegs testweise an Stromtankstellen in vier Städten und einmal auf der Autobahn. Es klappte reibungslos mit einer Ausnahme. Nur in Lünen blockierte ein Tesla die Säule, obwohl er gar nicht mehr lud, als wir dort ankamen.

Beim ersten Tritt auf das Strompedal war Experte Manfred Kunz sofort elektrisiert: Der Opel beschleunigt enorm aus dem Stand. Auf den ersten 50 Metern würde er die meisten Sportwagen stehen lassen. Von null auf 100 braucht er sieben Sekunden. „Das ist Wahnsinn“, entfährt es Kunz. „Außerdem liegt das Auto wie ein Brett auf der Straße. Lenkung und Bremsen sprechen direkt an.“ Manfred Kunz weiß wovon er spricht und womit er vergleichen kann. Vor seiner Berufslaufbahn beim ADAC hat er in Düsseldorf Ferrari und Lamborghini repariert.

Zügig, sicher und völlig leise zieht er mit unserem E-Auto durch jede Kurve. Es hat eine so gute Straßenlage, weil das schwere Batteriepaket im Unterboden sitzt und für einen optimalen Schwerpunkt sorgt. . Die Bilder der Panoramakamera und der über das Smartphone laufenden Navigation sind auf dem großen Display sehr gut zu erkennen.

Am nächsten Tag bin ich dann mit dem Ampera allein auf der A1 nach Wuppertal gefahren. An Ende der Testfahrten haben wir 273 Kilometer zurückgelegt und dabei 40,4 Kilowattstunden Strom verbraucht. Da der Akkublock 60 Kilowattstunden fasst, kommen wir tatsächlich auf eine durchschnittliche Reichweite von 404 Kilometern. Dabei sind wir nicht langsam gefahren, auf der Autobahn über 150 km/h. Die Klimaanlage lief permanent auf Hochtouren. Die in der Werbung angepriesenen 500 Kilometer lassen sich allerdings nur erreichen, wenn man mit 80 km/h über die Straßen zockelt.

Mit einer vollen Batterie kommt der Ampera-e mehr als doppelt so weit wie seine deutschen, in der Größe vergleichbaren Konkurrenten: der E-Golf und die elektrische B-Klasse von Mercedes. Sie alle kosten je nach Ausstattung zwischen 36.000 und mehr als 40.000 Euro. Der Ampera-e startet in der Basisversion bei 39.330 Euro. Dafür bekommt man den Vorteil eines von Anfang an als E-Fahrzeug konzipierten Autos gegenüber umgebauten Altmodellen. Diesen Vorteil hat auch der i3 von BMW, aber der ist deutlich kleiner als der Opel.

Zum Volltanken der komplett leeren Batterie braucht der Ampera an der normalen Haushaltssteckdose einen Tag und eine Nacht. An einer Schnelllade-Station, wie es sie Ende des Jahres an fast allen Autobahnraststätten geben wird, wären 80 Prozent der Kapazität in einer Stunde erreicht. Das funktioniert. Wir haben es am Rastplatz Rhynern Nord erlebt. Einfach Stecker rein und los. Obendrein war es kostenlos. Laden wir zu Hause auf, würden wir bei einem Preis von 26 Cent pro Kilowattstunde rund vier Euro für 100 Kilometer bezahlen. Auf die Batterie gibt Opel eine Garantie von acht Jahren oder 160.000 Kilometer.

Der Ampera-e in der Heckansicht.

 

 

 

Ein Gedanke zu „Testbericht Opel Ampera-e (von Matthias Münch)

  1. Bernd Lieneweg Beitragsautor

    Kommentar von Matthias Münch: Und noch eine kleine Anmerkung: Der Ampera-e ist ein wunderbares Auto. Neben den Teslas mit Abstand das Beste auf dem bisherigen E-Mobilitätsmarkt. Deshalb ist es jammerschade, dass das Auto nicht sofort in großer Stückzahl verkauft wird. Gerade jetzt, wo sich die großen deutschen Autokonzerne endgültig ins kriminelle Abseits stellen und Tesla mit seiner Preis- und Lieferstrategie zum Model 3 ein kapitales Eigentor geschossen hat, wäre der Ampera-e doch bestimmt der Renner auf dem deutschen Markt und darüber hinaus.

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